Die 5./6./7. Woche

Hallo zurück und damit auch schon im zweiten Monat. Am Sonntagmorgen fuhren Tinah und ich per Boda Boda nach Usa River ins Rehabilitation Center. Das Center ist von der evangelisch-lutherischen Organisation „Mission Eine Welt“ gegründet worden und hat daher auch eine Kirche, in der jeden Sonntag zwei Gottesdienste abgehalten werden. Eigentlich wollten Tinah und ich den ersten Gottesdienst besuchen, jedoch begann dieser 7:30 Uhr und nicht 9:00 Uhr wie wir dachten. Daher mussten wir bis 10:00 Uhr warten, um am zweiten Gottesdienst teilzunehmen. Daher konnten wir noch dem Chor zuhören, der sich zwischen den beiden Gottesdiensten noch einmal trifft. Am erstauntesten war ich aber, als der Chor, welcher fast nur aus Tansaniern besteht, auf einmal Lobpreislieder auf Deutsch zu singen begann. Die Erklärung hierfür: die Chorleiterin ist eine Deutsche, die schon länger hier lebt und daher auch ausgezeichnet Swahili spricht. Da ich sie vom letzten Jahr kannte, machte ich nach der Probe noch einen kleinen Plausch mit ihr. Der Gottesdienst begann dann ein wenig später. Da es sich hier um einen evangelischen Gottesdienst handelte, war dieser auch ähnlich unseren Gottesdiensten in Deutschland. Nachdem wir die Kirche verlassen hatten, setzten wir uns noch in das Café des Centers, weil es hier Internet gab. Da ich nur ein Datenvolumen von 5GB für meine Arbeit habe, wollte ich das 1GB Softwareupdate für mein Handy nicht unbedingt zuhause durchführen. Als wir gehen wollten traf ich im Café noch eine alte Bekannte, die dort arbeitet. Weil sie darauf bestand, uns eine Portion Pilau (das ist ein Reisgericht) zu spendieren, blieben wir also noch länger im Center. Anschließend fuhren wir wieder mit dem Boda Boda zurück nach Nambala und verbrachten dort den restlichen Tag.

Der Verein Nambala Help baut für eine Familie namens Saidi ein Haus, welches von einer Gemeinde in Deutschland finanziert wird. Um allerdings die Kosten zu reduzieren, soll die Familie selbst mit anpacken und z.B. für das Fundament schon mal die Erde aufgraben. Baraka bat uns, das zu beaufsichtigen, da sie sonst evtl. zu langsam arbeiten und nicht rechtzeitig fertig werden. So fuhren wir also am Montag zu Familie Saidi, welche relativ weit weg von Nambala, in Karangai wohnt. Mit dem Boda Boda fährt man ungefähr eine halbe Stunde. Das Besondere ist allerdings, dass die „Straße“ die dorthin führt stellenweise schlechter ist, als unsere Feldwege, was die Boda Boda-Fahrer aber keineswegs davon abhält, mit 60 km/h dort entlang zu heizen. Mit einem Motorradhelm braucht man übrigens nicht zu rechnen. Hier muss ich aber dazusagen, dass das nur in der Gegend um Arusha noch so ist. Gerade weiter im Süden achtet die Polizei mittlerweile darauf, dass sowohl Fahrer als auch Fahrgast einen Helm tragen. Bei Saidis verbrachten wir den Großteil des Tages und fuhren am Nachmittag zurück in Richtung Nambala.

Jedoch führte uns unser Weg nicht direkt nach Hause, sondern stattdessen nochmal nach Usa ins Reha-Center, um uns dort mit Baraka zu treffen. Wir setzten uns in das Café und warteten auf drei Frauen, mit denen wir sprechen mussten. Zuerst redeten wir mit Diana Kisaka, welche durch den Verein gesponsort wird und anschließend mit der Mutter von Rauza Ally, die mit einer Freundin kam. Da es bezüglich Rauza noch Einiges zu klären gab, beschlossen wir in den nächsten Tagen bei einem Besuch dieses persönlich mit Rauza zu besprechen. Nach einer Stunde fuhren wir dann zurück nach Nambala.

Das aktuelle „Haus“ der Saidis

Am Dienstag brachen Tinah und ich erneut nach Karangai auf. Am Vortag sollte eigentlich eine Lieferung Steine für das Fundament eintreffen, was aber nicht der Fall war. Daher hofften wir, dass diese heute eintreffen. Als wir ankamen, war die Familie schon fast fertig, die Gräben für das Fundament auszuheben. Die Steine waren jedoch noch nicht da. Das hieß für uns warten und zwar lange. Um uns die Zeit zu vertreiben, halfen wir der Mutter bei ihrer Arbeit. Dazu gehörte z.B. Wasser holen. Etwa 200 bis 300 Meter hinter dem Haus befindet sich ein Fluss. Da es in der Gegend keine Wasserversorgung gibt, muss also alles benötigte Wasser erst vom Fluss zum Haus getragen werden.

Ich habe mal ein Bild von dem Fluss und dem Wasser gemacht. Das wird für alles genutzt: zum Abspülen des Geschirrs, zum Wäschewaschen, zum Kochen und zum Trinken. Ja, das Wasser wird wirklich getrunken, da der Fluss die einzige Wasserquelle ist. Daran sollte man mal denken, wenn es das nächste Mal bei uns im Restaurant statt „stillem Wasser“ nur noch „medium“ gibt. Am späten Nachmittag ca. um 17:00 Uhr kam dann endlich der Kipplader mit den Steinen. Da der Untergrund jedoch aus Erde besteht und sich nebenan Saidis Feld befindet, welches vor einer Stunde bewässert wurde, blieb der Truck mehrmals stecken. Die tansanische Lösung war, trockene Erde auf die Räder, sowie davor und dahinter zu schütten. Weil die Erde aber leicht und krümelig war, konnte das nicht funktionieren. Sobald der Fahrer Gas gab, wurde sie förmlich weggeschleudert und die Räder gruben sich noch tiefer ein. Mein Vorschlag, Holzbretter vor dir Räder zu legen, damit diese nicht mehr durchdrehen, wurde erstmal nicht umgesetzt. Nachdem ihre Methode noch ein paar Mal fehlschlug, versuchten sie es dann endlich und waren sichtlich erstaunt, dass es funktionierte. Nach dem Abladen der Steine stellte sich heraus, dass es nur die Hälfte der benötigten Menge war und noch eine weitere Tour folgen sollte. Jedoch wussten wir genau, dass es länger als die angegebene Stunde Zeit dauern würde und es schon zu spät war, um darauf noch zu warten. Daher beschlossen wir nach Nambala zurück zu kehren, weil wir am nächsten Tag früh aufstehen mussten. So fuhren wir mit dem Boda Boda zurück und gingen nach dem Abendessen auch gleich ins Bett.

Das Haus vo Rauza’s Großmutter

Wie ich bereits angedeutet hatte, wollten wir Rauza persönlich treffen. Diese wohnt in Magugu, welches weit weg von Nambala liegt. Daher fuhren Tinah und ich am frühen Mittwochmorgen
(um 7 Uhr) nach Usa, wo wir uns mit Rauzas Mutter trafen. Gemeinsam fuhren wir mit einem Kleinbus nach Arusha und dort stiegen wir in einen Reisebus, mit dem wir dann nach Magugu fuhren. Die Fahrt dauerte etwa 3 Stunden. In Magugu angekommen fuhren wir mit dem Boda Boda zum Haus von Rauzas Großmutter. Rauza lebt nämlich bei ihrer Oma, während ihre Mutter zusammen mit den 3 Schwestern weit weg von Rauza wohnt. Auch hier wurden wir, typisch tansanisch, sehr gastfreundlich empfangen. Wir verbrachten den frühen Nachmittag damit, uns mit Rauza und ihrer Mutter zu unterhalten und Fragen, die für den Verein wichtig sind, zu beantworten (z.B. wie es mit ihrer Schulausbildung aussieht oder wie die Lebensumstände vor Ort sind). Nachdem wir alle Informationen die wir benötigten hatten, kehrten wir wieder mit dem Bus nach Usa River zurück. Angekommen sind wir dann abends. Hier wartete schon Baraka auf uns, um mit uns zum Flughafen zu fahren. Wie ich schon berichtet habe, wollte mich mein Vater für zwei Wochen zusammen mit einem meiner Cousins besuchen. Da ich nur mit den beiden gerechnet hatte, war die Verwunderung umso größer, als plötzlich auch meine Cousine vor mir stand. Diese war als Überraschungsgast mitgekommen und ich muss sagen, die Überraschung ist sehr gut gelungen. Gemeinsam ging es zurück nach Nambala, wo erst einmal Ausruhen angesagt war.

Der nächste Tag verlief eher ruhig, da sich die drei erstmal von der langen Anreise erholen wollten. Am Abend fuhren wir dann erneut los, um zwei Studentinnen abzuholen. Diese sind für ein Auslandsemester in Dar es Salaam und wollten sich mal das Nambala-Projekt ansehen. Sie kamen mit dem Abend-Bus angereist und wurden von uns nach Nambala gebracht. Anschließend ging es erneut zum Flughafen um den letzten Gast abzuholen. Mit Frau Dr. Angelika Kipp aus Deutschland, die sich ebenfalls das Projekt ansehen wollte, war nun die komplette Gruppe beisammen.

Von links nach rechts: Nicole, Tamari, Baraka, Linda, mein Vater Frank, mein Cousin David, Angelika und meine Cousine Mechthild.

Da wir die folgenden zwei Wochen eigentlich nur gemeinsam Zeit verbracht haben, möchte ich diese nur kurz zusammenfassen: Wir haben viel Schönes erlebt. Vor allem für die „Neuen“ haben wir natürlich unsere Projekte und die Menschen mit denen wir in den letzten Jahren hier unterwegs sind besucht. Eindrücke gesammelt, bis in den Abend bei dem einen oder anderen Kilimanjaro-Bier auf der Terrasse des Gästehauses neue Ideen und Gedanken diskutiert und vor allem gemeinsam mit unseren tansanischen Freunden überlegt, wie wir ihre Arbeit weiter unterstützen können. Ein besonderer Höhepunkt war dann am vorletzten Tag natürlich die gemeinsame symbolische Grundsteinlegung für das neue Haus für Familie Saidi. Aber dazu werdet Ihr in Kürze einen Beitrag auf der Homepage von Nambala-help finden. (https://nambala-help.org/)

Ein Ereignis will ich aber auf jeden Fall erwähnen. Zusammen mit Baraka waren mein Vater, meine Cousine, mein Cousin und ich in der zweiten Woche zwei Tage auf Sansibar. Dort haben wir Cheeta‘s Rock besucht. Das ist eine Tierschutzanlage, wo gerettete Wildtiere aufgenommen und gepflegt werden. Dabei steht Natürlichkeit und ausreichend Platz für die wilden Tiere an erster Stelle. Die Einrichtung finanziert sich komplett selbständig über den Eintritt der Besucher, die an einer Rundtour teilnehmen und so in direkten Kontakt mit den Tieren kommen können. Und wenn ich direkt schreibe, dann mein ich auch direkt. Man schlüpft quasi etwas in die Rolle eines Pflegers. Und ehrlich, wo bekommt man sonst die Chance, einen Leoparden zu streicheln oder das einem ein ausgewachsener Löwe aus der Hand frisst.
Dabei haben die Bedürfnisse der Tiere Vorrang, was heißt man ist als Besucher zu Gast in dem Wohnraum der Tiere und hat sich auch dementsprechend respektvoll zu verhalten, nicht andersherum. Wer einmal nach Sansibar kommt, dem kann ich es nur wärmstens empfehlen, Cheeta’s Rock einen Besuch abzustatten. Wer Interesse hat, hier geht’s zur Webseite: http://cheetahsrock.org/.

Ob das King Julien ist
Ein Buschbaby
Cheetah (Gepard)

Doch zwei Tage, die eigentlich nur 36 Stunden waren, vergehen schnell und so waren wir am Mittwochabend der zweiten Woche (also der 6. Woche des Blogs) schon wieder in Nambala. Am Freitagmorgen verließ uns dann Angelika und auch für meine Familie war langsam die Zeit gekommen. Somit hieß es dann bereits am Samstagmorgen Abschied nehmen, zumindest von meinem Vater, Mechti und David. Linda und Nicole würden noch bis Mitte der nächsten Woche bleiben.

Der Fortschritt des Hausbaus

Auch die nächste Woche verlief noch recht ruhig. Die meiste Zeit blieben wir in Nambala. Einmal statteten wir noch Saidis einen Besuch ab, um die Fortschritte am Hausbau zu begutachten. Eine recht erfreuliche Nachricht war, dass die beiden Studentinnen beschlossen hatten, doch noch bis Ende der Woche in Nambala zu bleiben. Etwas ganz Besonderes war noch eine Idee von Nicole. Diese hatte nämlichen den Einfall, einmal Knüppelteig zu machen. Gesagt, getan, es wurden Zutaten eingekauft, Stöcke zurecht geschnitzt und am Abend ein Feuer gemacht. Baraka war sofort Feuer und Flamme von dem Knüppelteig. Das funktionierte so gut, dass wir die Sache auch nochmal am Samstag vor der Abreise der Beiden wiederholt haben, auch wenn es durch Regen etwas beeinträchtigt wurde. Doch leider war das Ende des Abends auch gleichzeitig das Ende unserer gemeinsamen Zeit und am nächsten Morgen kam dann der Abschied. Damit hätte ich dann auch die 7. Woche im Groben zusammengefasst. Keine Sorge, die nächsten Wochen werden wieder detailreicher, wenn ich dann wieder arbeitstechnisch aktiver bin.

Wochen vom 05.08. bis 11.08.2019
                        12.08. bis 18.08.2019
                        19.08. bis 25.08.2019

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