Die 4. Woche

Tja, so schnell geht’s, schon ist die der erste Monat vorbei. Doch bevor ich jetzt anfange, zu sehr in Melancholie zu verweilen, berichte ich lieber von dieser Woche.

Der Montag verlief noch relativ ruhig. Den Vormittag verbrachte ich in Nambala und am Nachmittag folgte dann ein weiterer Besuch in Kikwe. Dies sollte dann doch erstmal das letzte Mal sein, dass ich die Mädchen bei der Kontrolle begleite. Da ab nächster Woche mein Vater und mein Cousin hier sein werden, sollen sie erstmal ein, zwei Wochen ohne mich arbeiten. Danach werde ich sehen wie es lief. Als wir nun mit der Kontrolle fertig waren, kehrten wir zurück nach Nambala.

Am Dienstag trafen wir uns mit Baraka und Imma, seinem Cousin. Zu viert fuhren wir in die beiden Schulen in Kikwe und Nambala. Hier Planten wir dann, was noch an Reparaturen zu erledigen ist und welches Material wir dafür benötigen werden. Dabei kam Imma, der gelernter Elektriker ist die Idee, die Neonröhren in Nambala gegen LED-Leisten auszutauschen, da diese viel weniger Energie benötigen. Doch das wird eine Aufgabe der nächsten Tage oder Woche.
Zu den reparaturfälligen Bereichen zählen z.B. die „Lichtschalter“ in Kikwe, welche zurzeit einfach abisolierte Kabel sind, die lediglich zusammen gebogen werden. Noch geht das, da man dort nur Solarstrom (Gleichstrom) mit geringen Strömen und Spannungen nutzt. Wird jedoch die Schule an das Stromnetz angeschlossen, so bekommt die Aussage: „Ich spür so ein Kribbeln in den Fingern“ eine ganz andere Bedeutung. In Nambala mussten die Türen überarbeitet werden.
Hier in der Schule von Nambala, wartete eine Überraschung auf uns. Es befanden sich gerade vier Deutsche, welche die Schule und das Projekt besichtigten, vor Ort. Wir erzählten ihnen etwas über unsere Arbeit und den Verein. Anschließend fuhren wir gemeinsam mit ihnen zu Mshanas, wo wir den Nachmittag gemeinsam verbrachten. Am Abend verabschiedeten wir uns und ich vereinbarte mit Baraka, am nächsten Morgen um 7:30 Uhr mit dem Boda Boda nach Usa zu fahren.

Anbringen der Fenstergriffe

So trafen wir uns also am Mittwochmorgen, um Ersatzteile und Zubehör einzukaufen. Anschließend fuhren wir nach Kikwe. Dort blieb ich mit Imma, während Baraka und Tinah weiterfuhren, um sich mit ein paar Familien zu treffen, die der Verein unterstützt. [Eine kleine Bemerkung: Da ich aber immer nur Tinah und Imma benutz habe, behalte ich das bei um nicht zu verwirren. Daher an dieser Stelle: Tinah ist die Abkürzung für Albetina Adelini Kimaro und Imma für James Immanuel Mshana. Tinah wird seit 13 Jahren (2006) durch den Verein gesponsort. Sie hat ihre Sekundarschule abgeschlossen und wurde von Baraka gefragt, ob sie etwas zurückgeben möchte. Daher arbeitet sie nun mit für den Verein, auch um Danke zu sagen, dass sie auch weiterhin gefördert wird.] So reparierten Imma und ich die Lichtschalter und brachten im Mädchenwohnhaus an fast jedem Fenster Fenstergriffe an.

Die Fenstergriffe sehen hier etwas anders aus

Aus irgendeinem Grund hatte fast keines der Fenster einen Griff. Ich vermute mal, die sind nicht einfach verschwunden, sondern nie angebracht worden. Da dies relativ viel Zeit in Anspruch nahm, verließen wir Kikwe erst am späten Nachmittag und fuhren zusammen mit ein paar anderen Schülern im Schulbus zurück nach Nambala, wobei Bus eher eine Blechbüchse bezeichnet, die den Geräuschen nach jeden Augenblick auseinander zu fallen drohte. Baraka und Tinah kamen etwa eine Stunde nach uns an. Wir trafen nun den Fundi mit Namen Richard, der mit uns die Türen der Schule in Nambala bearbeiten sollte. Er ist ein Tischler aus dem Reha Center und wenn jemand im Center arbeitet, kann man davon ausgehen, dass er auch Ahnung hat von dem, was er tut. Dieses kann man nicht von allen Fundis behaupten. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag um 8 Uhr und ließen den Abend ausklingen, nachdem Richard gegangen war.



Swahili:

Fundi                    = Handwerker (egal welcher Art, also Tischler,
                                  Klempner…)
tuta onana tena = man sieht sich wieder/ bis demnächst

Am Donnerstag liefen Tinah und ich in die Schule von Nambala, wo Richard bereits auf uns wartete. Wir machten uns auch sogleich an die Arbeit. Die meisten Türen konnte man nicht mehr richtig schließen, weil entweder Wasser ins Holz eingedrungen und es dadurch aufgequollen ist, die Rahmen oder Türen an sich verbogen waren oder einfach beim Einbauen Fehler gemacht wurden. Auch manche Schlösser mussten ausgebaut, auseinander genommen und der Schließmechanismus repariert werden. Wir arbeiteten nahezu den ganzen Tag daran und machten nur mittags mal 30 Minuten Pause. Da außer den Arbeiten in der Schule nicht viel passierte, hier ein paar Bilder.

Durch das Gewicht der Tür, hat es die Schraube komplett verbogen. Eine Schraube pro Scharnier kann keine Tür tragen
Den Türrahmen hat es nach außen getrieben

So funktioniert ein Rundschlüssel-Schloss
llinks Imma, rechts Tinah

Am Freitag holten Baraka und Imma, Tinah und mich in Nambala ab und fuhren uns nach Usa. Wir holten Tamari von ihrer Arbeitsstätte ab und fuhren gemeinsam nach Arusha. Dort fand eine Agrarmesse statt, wobei es mehr eine Mischung aus Pflanzenanbau, Marktplatz und Rummel war. Da Baraka und Tamari noch einiges in der Stadt zu erledigen hatten, ließen sie uns im Zentrum Arushas aussteigen und ein Dala Dala nehmen.

Ja, größer sind die nicht

Ein Dala Dala ist eine Art Kleinbus. Diese haben etwa 20 Sitzplätze, was aber noch lange nicht heißt, dass das die Maximalanzahl von Passagieren ist. Als wir zurück fuhren, habe ich 27 Passagiere + Fahrer und Begleitperson gezählt. Wie das möglich ist? Geschicktes Zusammenrücken und wenn im Dala Dala kein Platz mehr ist, hängt man sich eben draußen an das Fahrzeug. Es gibt keine festen Fahrtzeiten, die Begleitperson lehnt sich einfach aus dem Fenster und ruft den Leuten zu, ob sie mitfahren wollen oder nicht. Jetzt wisst ihr grob gesagt etwas darüber, was ein Dala Dala ist.

Auf der Messe gab es Einiges zu erkunden. So hörten wir uns eine halbe Stunde lang einen Vortrag über den Anbau von verschiedenen Gemüsesorten an und gingen anschließend in eine Art Tiergehege, das aber noch im Aufbau war. Trotzdem durften wir eintreten und somit die Tiere erleben, bevor sie in ihre Käfige gebracht wurden. Ich denke das Aufregendste war dabei ein Skorpion, der mir munter über die Hände lief. Da wir hier recht viel Zeit verbrachten, mussten wir anschließend auch schon wieder aufbrechen und, wie schon oben angedeutet, mit dem Dala Dala zurück ins Zentrum fahren. Und ja, es war eine kuschelige Fahrt. In Arusha trafen wir uns wieder mit Baraka und Tamari. Wir gingen in ein Restaurant und jeder bekam eine Portion Chips Mayai. Das ist ein Essen, bei dem Pommes in eine Pfanne gefüllt werden und anschließend mit Ei übergossen werden, quasi wie Ei mit Speckwürfeln. Damit war dann der Tag auch schon vorbei und wir fuhren nach Nambala zurück.

Das sind Wildkatzen, die sind größer und aggressiver als unsere Hauskatzen.
Mein neues Haustier

Am Samstag sollte es nach Chemka, den Hot Springs gehen. Das ist eine Art Quelle die zum Baden genutzt wird. Es gibt auf dem Kilimandscharo einen See, dessen Wasser im Boden versickert und an dieser Stelle wieder an die Oberfläche gelangt. Dabei entstehen zwei kleine Seen, die durch einen schmalen Kanal verbunden sind. Also holten Baraka und Imma, Tinah und mich am Morgen ab und es ging zusammen mit Linkin Park, Nickelback und NerdOut auf die Reise (nach Chemka fährt man etwas über eine Stunde). Für diejenigen, welche mich kennen, NEIN bis auf NerdOut ist die Musikrichtung ausnahmsweise nicht auf meinem Mist gewachsen. In Chemka angekommen verbrachten wir die meiste Zeit mit Schwimmen, bzw. ich damit Tinah das Schwimmen beizubringen. Wir verbrachten den ganzen Tag dort und fuhren am Abend zurück. Da sonst nicht viel passierte, füge ich hier ein Paar Bilder ein.

Der Weg dorthin führt mitten durch die Pampa
Mount Meru

DUnd mit diesen Bildern klingt auch schon die vierte Woche aus. Ich hoffe mal ich kann das hier rechtzeitig hochladen, da ich gerade zurzeit recht viel zu tun habe (konnte ich dann doch nicht, da mein Internet Guthaben alle war). Ansonsten Danke fürs Lesen und tuta onana tena. Euer Martin.

(Woche vom 29.07.19 bis 04.08.19)

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