Die 2. Woche

Zuerst einmal tut es mir leid, dass es so lange gedauert hat. Nachdem ich am Wochenende aus technischen Gründen kein Update veröffentlichen konnte, war ich seit Dienstag krank. Auch wenn ich noch nicht vollständig gesund bin reicht es jetzt wenigstens wieder zum hierfür. Aber egal hier nun endlich die nächste Woche:

Die Schlange alias eine Raupe

Hallo und herzlich willkommen in der zweiten Woche. Zuerst sollte ich vielleicht anmerken, dass der Sonntag der vorangegangenen Woche immer in der nächsten Woche enthalten ist. Demnach ist der Sonntag letzter Woche der erste Tag der 2. Woche. Daher beginne ich auch gleich mit diesem, auch wenn es da nicht viel zu berichten gibt. Tatsächlich verlief der Tag recht ereignislos. Den Vormittag und einen Teil des Nachmittags verbrachten Lisa, Patty, Tinah und ich damit, Bohnenschoten zu pellen. Das bedeutet man hat einen Haufen Grünzeug vor sich, in dem die Schoten versteckt sind, welche man öffnet um die Bohnen heraus zu holen. Einen kleinen Schockmoment gab es dann doch, als Lisa schrie sie hätte eine kleine Schlange im Haufen gesehen. Diese haben wir etwas später auch gefunden und ich habe sie fotografiert, aber seht selbst.

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir dann mit Spielen. Am Montag sollte ich meine Volonteering-Permission bekommen. Um dies kurz zu erklären, zurzeit lebe ich hier mit einem Touristenvisum, welches mir 90 Tage Aufenthalt gewährt. Damit ist es mir jedoch nicht gestattet zu Arbeiten. Seit neuestem gibt es in Tansania aber die Möglichkeit, mit einem Schreiben eine Genehmigung zu erhalten, um als Volontär zu arbeiten. Baraka fuhr dafür nach Arusha, der nächst größeren Stadt, um dieses Schreiben zu beantragen. Ich sollte dafür zusammen mit Tinah zum Village-Office von Nambala gehen. Mit viel Fantasie könnte man sagen, ist es so was wie das Rathaus vom Dorf. Hierfür liefen wir zuerst an der Hauptstraße entlang Richtung Zentrum von Nambala und dann auf den Eisenbahnschienen weiter. Diese stammen aus der Zeit, als Tanganika (das heutige Tansania waren früher zwei eigenständige Staaten: Tanganika und Sansibar) noch eine deutsche Kolonie war und werden heute als Gehweg genutzt. Da der Beamte aber nicht vor Ort war, änderten wir den Plan und besuchten zuerst die Secondary School in Kikwe zusammen mit Baraka, der uns in Nambala aufgesammelt hatte. In Kikwe werde ich für die nächste Zeit hauptsächlich tätig sein, um ein Instandhaltungssystem für das Mädchenwohnhaus aufzubauen.

Das neu gebaute Wohnhaus

Wir unterhielten uns mit dem Direktor und seinem Stellvertreter über die kommenden Tage und planten unser Vorhaben. Dazu werde ich aber erst später etwas sagen. Etwa nach einer Stunde fuhren wir weiter und besuchten noch die Familie Saidi, welche durch den Verein (Nambala Help) ein Haus gesponsert bekommt. Ihr jetziges Haus ist eine Lehmhütte mit ca. 6 m2. Für die Grundsteinlegung des neuen Hauses war noch Einiges zu bereden. Als das erledigt war, ging es nach Usa River und wir verbrachten dort den restlichen Nachmittag und Abend in Baraka‘s und Tamari‘s Haus. Tamari hatte mir eine Simkarte besorgt, mit der ich hier telefonieren und Internet nutzen kann. Bis jetzt war ich immer auf ihren Hotspot angewiesen, wenn es darum ging E-Mails zu checken oder am Blog zu arbeiten. Leider gab es mit der Simkarte Probleme, die wir noch nicht beheben konnten, sodass ich noch immer kein eigenes Internet habe. Dafür funktionierte jedoch die Sache mit dem Auto. Damit Baraka mich nicht immer selbst herumfahren muss, gab er mir sein altes Auto, welches wir auch gleich mit nach Nambala nahmen. Dadurch kann ich jetzt selbst erfahren. Ich denke mir ist das Zurechtkommen im Verkehr noch nie so schwer gefallen wie hier, auch wenn man sich dann doch schnell daran gewöhnt. Nicht nur, dass man auf der linken Seite der Straße fährt, generell darf man sich nicht auf unsere Regeln verlassen. So ist eine zweispurige Straße keines Wegs als zweispurig anzusehen. Immerhin gibt es ja noch zwei Randstreifen und eine Mittellinie auf der man fahren kann. Auch bei Überholmanövern sind viele Tansanier schmerzfrei, man muss also bei Gegenverkehr mit allem rechnen. Aber wie schon gesagt, ist das mit der Zeit kein Problem mehr.

Am Dienstag fuhren Tinah und ich erneut in die Secondary School nach Kikwe und trafen uns mit dem Schuldirektor und seinem Stellvertreter. Wir unterhielten uns über den nächsten Tag, um diesen zu planen. Es wurden zwei Lehrer ausgewählt, welche die Instandhaltung ab sofort beaufsichtigen sollten. Auch die „Matrona“ wurde mit einbezogen, da diese sozusagen die Hausmutter des Mädchenwohnhauses ist und ständigen Kontakt mit den Mädchen hat. Die beiden Schülerinnen, welche für die Instandhaltung verantwortlich sein sollten, wurden auch sogleich bestimmt. Im Anschluss besichtigte ich, zusammen mit den beiden Lehrern, der Matrona und dem stellvertretendem Schulleiter das Wohnhaus. Hier schaute ich zuerst nach Mängeln die behoben werden müssen und erklärte anschließend den beiden Lehrern, wie das Instandhaltungssystem funktionieren sollte. Danach kehrten wir in das Büro des stellvertretenden Schulleiters zurück.

Da es nun bereits Nachmittag geworden war, fuhren Tinah und ich zurück nach Nambala. Als wir vor der Zufahrt zum Grundstück von Mshanas waren, hielt ich an, um mit Tinah die Plätze zu tauschen. Diese hat nämlich keinen Führerschein und bat mich darum, ihr das Autofahren beizubringen. Die Zufahrt ist recht lang und bietet sich daher perfekt dafür an. Außerdem haben die meisten Autos hier ein Automatikgetriebe, was die Sache etwas einfacher macht und sie lernt echt schnell. Außer paar Vorbereitungen für den nächsten Tag passierte dann auch nicht mehr viel.
Am Mittwochvormittag besuchten Tinah und ich dann die Schule in Nambala, um auch hier nach Mängeln zu suchen und deren Behebung zu planen. Es sollen quasi erst alle Schäden registriert werden, um dann das benötigte Material alles auf einmal zu kaufen. Um Sprit zu sparen gingen wir auch dieses Mal den Weg über die Schienen. Eigentlich wollte hier ein Video von der Brücke einfügen aber das funktioniert mit WordPress nicht. Als unsere Arbeit hier erledigt war, kehrten wir dann zurück nach Nambala, um mit dem Auto nochmal nach Kikwe zu fahren. Heute war es geplant, einen Workshop mit den Lehrern und Schülern zu veranstalten, welche für die Instandhaltung ausgewählt wurden. Leider machten da der Stundenplan und ein Ausflug eben dieser ausgewählten Schülerinnen an eine nahegelegene Universität diesen Plan zu Nichte. Ebenfalls sollte eine „Gummizählung“ durchgeführt werden, welche aber auch nicht zu Stande kam. In der Schule wurden 2014 vier Schulräume renoviert und gefliest. Damit diese Fliesen nicht durch die Metallstühle beschädigt werden, sind diese an den Stuhlbeinen mit Gummis besetzt, welche sich aber mit der Zeit abnutzen. Um diese zu ersetzen und wenn nötig neue zu kaufen, sollte die Gummizählung durchgeführt werden.

Doch wie schon erwähnt, ist diese aus organisatorischen Gründen dann ausgefallen. Daher wurde an diesem Tag nur ein Meeting mit der Lehrerschaft abgehalten. Diese diente dazu, sie darüber zu informieren, was in den kommenden Tagen passieren soll, bzw. warum. Nachdem ich einen kurzen Vortrag über das Projekt hielt, teilten mir die Lehrer ihre Anliegen mit, was an den Schulräumen und dem Mädchenwohnhaus noch an Aufgaben anfallen. Im Anschluss folgte ein gemeinsames Mittagessen mit den Lehrern. Da nun keine Aufgaben mehr anstanden, kehrten wir nach Nambala zurück und verbrachten den restlichen Nachmittag damit, Maiskolben zu pellen. Das ist schwieriger als es klingt.

Falls ihr euch fragt warum ich immer mit Tinah unterwegs bin, so sollte ich vielleicht erwähnen, dass sie bei FRI-SUCODE (dem tansanischen Ableger von Nambala Help) angestellt ist und Baraka unterstützt. Daher begleitet sie mich immer als Unterstützung und als Dolmetscherin, sollte mal jemand nicht Englisch sprechen, da ich mit meinen paar Worten Swahili nicht gerade weit kommen würde.

So nun sind wir schon beim Donnerstag und ich realisiere erstmal wie schnell die Zeit hier doch vergeht. Am Morgen besuchten wir wieder Kikwe und führten nach der Frühstückspause nun die Gummizählung durch. Da die fehlenden Gummis dann im Anschluss gleich ersetzt wurden und wir noch eine Inventur des Bestandes machten, benötigten wir hierfür gut zwei ein halb Stunden. Leider waren die Schülerinnen vom Vortag wieder nicht anwesend, worüber der Direktor und somit auch ich erst am Morgen informiert wurden. Daher vereinbarten wir mit dem stellvertretenden Direktor, am Morgen des nächsten Tages wieder vorbei zu schauen. Bis dahin wollten die Lehrer überlegen, ob noch weitere Arbeiten zu erledigen sind. Da ich immer Werkzeug dabei habe, wäre es also kein Problem kleinere Reparaturen sofort durchzuführen. Wir verabschiedeten uns und traten den Rückweg an.

Das ist Hanspath

Da wir relativ früh in Nambala eintrafen, blieb somit viel Zeit um Vorbereitungen für Freitag zu treffen und um am Blog zu arbeiten, d.h. ich schreibe über die Ereignisse, sozusagen wenn sie noch ganz frisch sind. Da ich aber kein Internet habe, sind das erstmal nur Word-Dateien. Am Abend besuchte uns Baraka der es geschafft hatte, Kontakt zu dem Visa Officer herzustellen und nun meinen Reisepass mitsamt Visastempel benötigte. Ebenfalls erzählte er mir, dass wir am Samstag zu einem Polterabend eingeladen sind. Ja das kann hier schon mal vorkommen, dass man als Mzungu zu Hochzeiten eingeladen wird, selbst wenn man die Person nicht kennt. Der restliche Abend verlief dann recht ruhig und bestand aus Babysitten, weiterer Arbeit am Block und dem Abendessen. Falls Ihr euch nun wundert, hier erzieht meist die ganze Familie die Kinder bzw. passt auf sie auf und so werde auch ich immer mal zum Babysitter umfunktioniert.



Swahili:

Mzungu       =    die Bezeichnung für Weiße
Piki Piki       =    das Motorrad
Boda Boda =    ein Motorradtaxi

Am Freitag fuhren wir erneut nach Kikwe, um nun endlich den Workshop mit den Schülerinnen durchzuführen. Der Sinn dahinter war es, sie mit dem System vertraut zu machen. Für die Instandhaltung gibt es eine Checkliste. Darauf ist das Haus in 6 Bereiche aufgeteilt, in den Gemeinschaftsraum, zwei Schlafräume, jeweils ein Bad pro Schlafraum und den Außenbereich. Jeder Bereich hat dann seine eigenen Sachen, die kontrolliert werden müssen, wie z.B. Steckdosen, Waschbecken, Lampen etc. In den nächsten beiden Wochen werde ich diese Instandhaltungskontrolle an Hand der Checklisten mit den beiden verantwortlichen Mädchen zusammen durchführen, um ihnen für Ratschläge zur Verfügung zu stehen oder sie im Umgang mit dem Werkzeug zu unterstützen.

länger als ein Meter

Als wir gerade den Wasserbehälter inspizierten, rief eine der Schülerrinnen, wie Lisa ein paar Tage zuvor, sie hätte eine Schlange gesehen. Der Unterschied zu Lisa war nur, dass es diesmal wirklich eine Schlange war und noch dazu eine große. Da diese aber regungslos auf einem Stück Holz lag, stellte sie keine Gefahr dar. Nach der Aktion im Wohnhaus, folgte noch eine Besprechung im Büro des Direktors, sodass wir im Endeffekt ca. 16:00 Uhr mit unserer Arbeit in Kikwe fertig waren. Wir kehrten wieder zurück nach Nambala, wo dann nicht mehr viel passierte. Eigentlich wollten wir auch noch die Schule in Nambala besuchen, um dort Reparaturen durch zu führen, aber da es schon so spät war und dort nun niemand mehr anzutreffen sein würde, verschoben wir das auf nächste Woche.

Der Samstag war dann ein ganz besonderer Tag. Am Morgen fuhr ich mit einem Boda Boda nach Usa River, wo mich Tamari und Lisa empfingen. Wir besuchten dort ihre Kirche und nahmen an einem zweistündigen Gottesdienst teil. Die Gottesdienste unterscheiden sich stark von unseren Gottesdiensten. Es werden ein paar Lieder gesungen, alle begrüßt und anschließend folgt die Predigt, welche ca. 75% des Gottesdienstes ausmacht. Die Art wie hier gepredigt wird ist recht gewöhnungsbedürftig für einen Europäer. Man könnte den Prediger leicht mit einem Marktschreier verwechseln, wenn die Umgebung eine andere wäre. Ich habe dazu einen Teil der Predigt über Daniel in der Löwengrube aufgenommen, kann ihn aber ebenfalls nicht hier einfügen. Nach dem Gottesdienst fuhren wir zu Tamari nach Hause, wo es dann Mittagessen gab. Den Nachmittag blieb ich dort und verbrachte die Zeit mit Lisa.

Am späten Nachmittag brachen dann Baraka, Tamari und ich zu einer Sendoff Party auf. Man könnte das wohl am besten mit unserem Polterabend vor einer Hochzeit vergleichen, bloß mit großen Unterschieden. Die Sendoff Party kann einige Tage vor der Hochzeit liegen. Es gab einen Gottesdienst zur „Entlassung“ der Braut, eine große Festversammlung, eine Cateringfirma, eine Hochzeitstorte und vieles mehr, das eher an eine Hochzeitsfeier erinnert, als an eine Feier davor. Generell wird fast alles tanzend vorgenommen, also Geschenkübergabe, Übergabe der Hochzeitstortenteile (die Torte ist für Angehörige und jeder bekommt einen Teil wie die Eltern, Großeltern etc.). Sehr gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Tatsache, dass es vor 22:30 Uhr kein Essen gibt. Die Feier dauerte dann bis nach Mitternacht, sodass ich erst gegen 1:30 Uhr zuhause war. Als ich vor dem Eingang des Haupthauses stand, flogen auf einmal zwei Fledermäuse direkt an mir vorbei. Kein Witz, die eine war so nah gekommen, dass sie mit ihrem rechten Flügel mein linkes Ohr gestreift hat. So etwas hab ich echt noch nie erlebt.

Baraka grillt BBQ Mais

Am nächsten Tag gab es einen Stromausfall, der den ganzen Tag anhielt, sodass ich nicht am Blog arbeiten konnte und so auch der Beitrag nicht fertig wurde. Sorry dafür, ich werde eine automatische Benachrichtigung aktivieren, die immer erscheint, wenn ich sonntags den Blog nicht aktualisieren kann. Da der Strom (wie auch am Tag zuvor) hier in der Gegend den gesamten Tag fehlte, konnte ich außer rumsitzen, etwas aufräumen und Zeit mit den anderen verbringen auch nicht viel machen. Als es am Abend dann wieder Strom gab, hab ich am Blog dann noch weiter geschrieben. Baraka und Tamari kamen  noch zu Besuch und wir verbrachten den restlichen Abend zusammen. Da diese aber am nächsten Tag wieder arbeiten und Lisa wieder in die Schule musste, endete der Sonntag so recht schnell.


Ihr wisst was das jetzt heißt. Gehabt euch wohl – bis nächste Woche. Euer Martin!

Woche vom 15.07. bis 21.07.2019

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