Die 1. Woche

Am Dienstag ging es also los. Morgens verabschiedete ich mich von der Familie und bereitete mich mental auf die Reise vor, inklusive einer letzten Folge Big Bang Theorie zusammen mit meinem Bruder. Dieser fuhr mich dann auch bald auf den Bahnhof, wo mich noch ein paar Freunde überraschten und sich verabschiedeten. Noch einmal Danke Euch dreien.

Auf gehts

Da die Wikipedia Definition von Reise wahrscheinlich interessanter ist, erspare ich euch die Details, also meine Zugfahrten, Flüge und Aufenthalte. Eines sollte ich jedoch erwähnen: Die Bahn war pünktlich. Angekommen bin ich dann am Mittwoch um 21:00 Uhr Ortszeit (in Deutschland 20:00 Uhr) und wurde von meiner Dada Tamari bei winterlichen 17°C (ja, das zählt hier wirklich als Winter) abgeholt und von ihr nach Nambala gefahren, wo ich nun für die nächsten 3 Monate bei Familie Mshana wohnen werde. Hier begrüßten mich dann auch Naka, die Schwester von Tamari‘s Mann und seine Mutter Anny, sowie das Hausmädchen Tina. Nach einer kleinen Mahlzeit, welche ein Hobbit wohl eher Nachtmahl nennen würde #HdRInsider, war auch schon Nachtruhe angesagt, um mich von der ca. 32h 30min Reise zu erholen.

Das Haupthaus und das blaue Gästehaus Mshanas
ich wohne im vorderen Zimmer des Gästehauses

Der Donnerstag diente dann ebenfalls zum Erholen, aber auch schon zum Vorbereiten der nächsten Tage. Es war ganz gut einen Tag zu haben, um sich wieder auf tansanische Verhältnisse einzustellen. So lernte ich bereits am ersten Tag, dass man seine Schuhe lieber ins Haus stellen sollte, wenn man sie nicht anschließend suchen möchte. Der Wachhund hat große Freude daran diese durch die Gegend zu tragen. Ebenfalls eine Umstellung ist das Mosquitonetz beim Schlafen, immer mal Stromausfall, Dunkelheit bereits um 18:30 Uhr und die tansanische Gastfreundschaft. Ich denke, ich liege richtig, wenn ich sage Karibu ist das Wort, welches man am häufigsten hört (Erläuterungen stehen unten). Solltet Ihr einmal die Gelegenheit haben, Tansania zu besuchen und irgendwo eingeladen sein, so stellt oder setzt Euch einfach mal in eine Ecke und wartet. Es dauert meist nicht lang und schon wird man gefragt, ob man Tee oder Kaffee haben möchte. Beim Essen trifft man meist auf eine große Auswahl, selbst wenn man deutlich macht, dass sich der Appetit in Grenzen hält. Das Essen an sich ist hier, wer hätte es gedacht, etwas anders als in Deutschland. Meist gibt es sehr abwechslungsreiche Speisen mit viel Gemüse und Früchten. Sehr häufig wird Reis als Grundlage verwendet, welcher mit einer Soße (z.B. aus Erdnüssen) vermischt wird. Fleisch ist etwas Besonderes und wird meist nur zum Abendbrot (in geringen Mengen), am Wochenende oder zu Feiern gegessen. Der größte Unterschied, gemessen an der deutschen 08-15 Küche ist jedoch die Zubereitung. Generell wird alles frisch zubereitet, ob aus eigenem Anbau oder vom Wochenmarkt stammend und das Wort Massentierhaltung ist dabei unbekannt. Auch wenn viele Haushalte über Herdplatten verfügen, so wird trotzdem traditionell über Holzfeuer gekocht. Damit aber genug vom Essen und ebenfalls vom Donnerstag.



Swahili:

Dada   =         Schwester
Kaka    =         Bruder
karibu =         willkommen (wird auch eingesetzt als unser „kein
                         Problem“ beim Bedanken, oder als Einladung zum
                         Essen)
pole pole =   langsam langsam


Im Vordergrund Lisa im Hintergrund Haika

Am nächsten Morgen hatte ich geplant, das Usa River Rehabilitation Center (URRC) zu besuchen, um mit dem Leiter, einem deutschen Diakon, zu sprechen, da dieser am Sonntag zurück nach Deutschland zurückkehrt, nachdem er 3 Jahre das Center geleitet und in Tansania gelebt hat. Doch zunächst begegnete mir das, bei dem es mir am schwersten fällt sich daran zu gewöhnen, obwohl ich doch schon 3 Mal hier war: die tansanische „Pünktlichkeit“. Es war eigentlich geplant 8:30 Uhr nach Usa River aufzubrechen. Doch dann wurde aus 8:30 Uhr 10:00 Uhr wird. Auf der anderen Seite musste ich dann doch noch ein Stück im Center warten, quasi pole pole. Dann kam Thomas der Diakon, den ich schon seit drei Jahren kenne. Ich unterhielt mich mit ihm über Projekte in der Gegend, bevor er schon zu seiner Abschiedsfeier weiter musste. Anschließend konnte ich im Kaffee des Reha Centers „TanzHands“ sitzen und in Ruhe am ersten Beitrag des Blogs schreiben. Nebenbei, im Reha Center bekommt man, meiner Meinung nach, den besten Kaffee der Gegend, sowie Brötchen und Brot nach deutscher Rezeptur. Etwa 16:00 Uhr, ja das war auch eher geplant, fuhren dann Tamari und ich zu ihrem Haus und holten ihre Töchter Dada Lisa und Haika ab, da die drei das Wochenende in Nambala verbringen wollten.

In Nambala angekommen beschloss ich erstmal die Steckdose zu reparieren, die mir schon seit Mittwoch ein Dorn im Auge war. Dann gab es Abendessen. Anschließend verbrachten wird (Lisa, Tina und ich) die Zeit mit Kartenspielen und Kartentricks (wer mich nicht kennt, ich bin Kartenkünstler). Damit endete dann auch schon der Freitag.

Bestimmt ist euch die für deutsche Verhältnisse merkwürdige Verwendung von Schwester aufgefallen. In Tansania werden Personen mit ihren Namen oft mit anderen Personen in Verbindung gebracht. So wird Tamari z.B. oft Mama Lisa oder Mama Haika genannt, da sie deren Mutter ist. Ich werde meist Kaka Martin genannt, da ich als Bruder angesehen werde.

Makande mit Gemüse und Avocado. Im Hintergrund wird BBQ Mais zubereitet, ein beliebter Snack

Für Samstag war eigentlich geplant um 4:00 Uhr morgens in die Kirche zu gehen, jedoch ging es Anny nicht gut und Tamari musste sie ins Krankenhaus fahren und anschließend auf das Haus und die Kinder achtgeben: Lisa, Haika, Paty – den Sohn von Nakas Schwester und Hanspath, Nakas jüngsten Sohn. Also verbrachten wir den Tag im Hof mit Kartenspielen. Als Mittagessen gab es dann das erste typische tansanische Gericht: Makande. Das ist ein Essen bestehend aus gekochtem Mais (weißer, weicher Mais nicht wie unser gelber Mais), der mit Gemüse und Bohnen gegessen wird. Jedoch gab es heute Makande ohne Bohnen. Ansonsten ist heute jedoch nicht viel passiert, da der Samstag Ruhetag ist.

Die Mitglieder der Familie sind alle Adventisten, daher wird der Samstag wie unser Sonntag angesehen. Tamari sagt mir dann, dass ihr Mann Baraka nun doch erst am Sonntag und nicht schon heute aus Dar es Salam zurückkommt, also musste ich noch einen weiteren Tag warten, bevor ich mit ihm den Verlauf der nächsten Woche besprechen kann, mit der dann auch meine eigentliche Arbeit hier beginnen kann. Hoffentlich kann ich euch davon in der nächsten schon Einiges berichten.


Bis dahin – Euer Martin

Woche vom 08.07. bis 14.07.2019

Beteilige dich an der Unterhaltung

1 Kommentar

  1. Hallo Martin, schön von dir im Blog zu lesen und so die neuesten Infos aus Nambala und Umgebung zu erhalten. Bei deinen Erzählungen fühle ich mich doch gleich wieder wie mit dabei 😉
    Ich wünsche dir eine interessante Zeit und bitte sage allen ganz liebe Grüße von mir.
    Ich freue mich schon auf dein nächstes Schreiben 😉
    LG Annette

    Gefällt mir

Kommentar hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: